Liebfrauenkirche

Liebfrauenkirche


(nach Hans-Jürgen Löffler)

 

Sie entstand in mehreren Bauabschnitten zwischen dem Ende des 13. Jahrhunderts und dem Beginn des 16. Jahrhunderts als gotische Kapelle mit Haupt- und nur einem Seitenschiff auf ursprünglich Klosterreichenbacher Boden in der Unterstadt. Der gotische Stil konnte trotz einiger Umbauten nach dem 30-jährigen Krieg, als die "Kappel" Klosterkirche der Franziskaner wurde, zum Glück erhalten werden und kann darum schon als kunsthistorisches Kleinod der Stadt gelten.

Am Ende des 19. Jahrhunderts diente sie auch in gutem ökumenischem Geist für etliche Jahre der wachsenden evangelischen Gemeinde als kirchliche Heimat.

Besonders sehenswert sind ein gut erhaltenes Fresko an der südlichen Chorwand und der Hauptaltar (Flügelaltar) mit der Darstellung der Krönung Mariens, den die Horber Weberzunft ursprünglich für eine inzwischen abgegangene Kapelle gestiftet hat.

 


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 "Kleinen Kirchenführer". Hier habe wir für Sie auf zwei Seiten die wesentlichen Dinge kurz und bündig zusammengefasst.

Umfangereichere Informationen erhalten Sie im "Großen Kirchenführer" für die Liebfrauenkirche.


Liebfrauenkirche - Innenrenovation 2006

verfasst von Martin Fassnacht, Horb im Okt. 2007

Die Liebfrauenkirche, heute noch von den Horbern liebevoll "Kappel" ge­nannt, liegt im räumlichen Zentrum der Unterstadt von Horb.

Nachdem zu Beginn des 13. Jahrhunderts der Wirtschaftshof der Burg der Edelfreien von Horb und derer von Ihlingen in den Besitz des Klosters Reichenbach gelangte, entstand um 1280 eine Liebfrauen­kapelle, die im Kern im Chor der heutigen Kirche erhalten ist. Langhaus und Turm wurden durch die Horber Bürgerschaft um 1363 angebaut.

Wie auch restauratorische Untersu­chungen bestätigt haben, ist die Gewölbedecke im Haupthaus und Seitenschiff einmal eingestürzt. Im Jahr 1521 wurde die Neueinwölbung mit einem spätgotischen Netzrippen­gewölbe vollendet, was durch das Datum über dem Chorbogen dokumentiert ist.

1648 erhielten die Patres der Tiroler Reformatenprovinz des Franziskaner­klosters den Platz bei der Lieb­frauenkapelle, um dort ein Kloster zu errichten, was letztlich 1655-56 er­folgte. Die Liebfrauenkapelle wurde dadurch zur Klosterkirche.

Bereits 1658 sicherten Bauleute der Stadt Horb den Bestand des Turms durch den Anbau der mächtigen Strebepfeiler. Um 1682 wurden dann auch die Langhaus-Strebepfeiler verstärkt und der Kapellenboden um ca. 1,70 m höher gelegt. (Eine Säulen­ausgrabung bei der Re­novation im Jahre 1976/77 bestätigte dieses. Dieter Manz führt dazu in seinem Kirchenführer für die Liebfrauenkirche u.a. folgendes aus (Seite 27): "In der Barockzeit entstand auch die Treppe, an deren unterem Ende ein vermauertes gotisches Portal wohl den ursprünglichen Zustand zum Kircheninneren vor dessen vermuteter Fußboden-Niveauanhebung bildete." Franz Gessler widerlegt diese Meinung in einer Veröffentlichung vom 17.11.2007 (Südwest Presse) auf grund von Aufzeichnungen des Bildhauers Wilhelm Klink. Er gelangt zu dem Ergebnis, dass das vermeintliche Portal eine in der gotischen Stilepoche für die Horber Madonna geschaffene Nische ist.

Während der napoleonischen Feld­züge musste die Liebfrauenkirche als Magazin dienen. Nach 1820 wurde sie regelmäßig für Gottesdienste benutzt. Von 1836 bis zur Fertigstellung der evangelischen Kirche in der Wein­gasse im Jahr 1896 war die Lieb­frauen­kirche auch Gottes­dienstraum für die evangelische Kirchenge­meinde.

1936/37 erfolgte eine Innenrenovation. Die Erneuerung der orna­mentalen Malerei am Gewölbe, genau nach dem gotischen Vorbild, wurde vom Horber Maler Wilhelm Klink durchgeführt.

Ihr heutiges Aussehen verdankt die Kirche der Innenrenovation 1976/77. Damals wurden folgende Arbeiten durchgeführt: neue Fenster und Bestuhlung, Fuß­bodenheizung mit Fliesenbelag, Zelebrationsaltar, Ambo, Antoniusaltar von der Chorwand rechts versetzt ins Seitenschiff nach hinten, Verkleinerung der Orgel­empore, Konservierungsarbeiten der Klink’schen Malereien und der Fresken im Chorbereich und im Seitenschiff.

Nach genau 30 Jahren war im November 2006 eine erneute Innenrenovation unserer Liebfrauen­kirche notwendig. Sie war verschmutzt und verrußt. Wände und Decken zeigten zahlreiche feine Risse. Von Altären und der beweglichen Aus­stattung platzte Farbe und Ver­goldung ab.

Die durchgeführten Arbeiten um­fassten ein ganzes Bündel von substanz­erhaltenden und konservier­enden Maßnahmen an Wänden, Gewölbe­decken, Ornamentbemalungen, Fresken, Altären und der beweglichen Aus­stattung. Die Elektro-, Alarm-, Lautsprecher-, Medien- und Lüftungs­anlage wurde ergänzt bzw. neu eingebaut. Die Fernsehübertragung für Gottesdienste und Konzerte zu den Patientenzimmern in der Klinik wurde technisch verbessert. Auch die elektronische Heizungssteuerung ist vom Krankenhauskeller aufwändig in die Sakristei verlegt worden.

Jetzt bietet die "Kappel" der Kirchengemeinde wie auch dem Bedürfnis des Einzelbetenden wieder Geborgenheit und Stille.